Nachrichtendetails

Das Pendel schlägt zurück

06.03.2019


Zum Jahreswechsel herrschte Weltuntergangsstimmung. Viele Anleger hatten sich aus den Märkten verabschiedet und laufen nun seit 9 Wochen steigenden Kursen hinterher. Wir hatten bereits auf die gute Lage hingewiesen und ein gutes Aktienjahr prognostiziert. Viele begreifen nicht, dass der Einbruch im Dezember nur temporärer Natur war, da die Belastungen nicht aus der Wirtschaft heraus resultierten, sondern exogener (politischer) Natur waren. Nun nährt die Hausse die Hausse und die Kurse schlagen mit Macht zurück. Kurzfristig führt dies bereits zu Überhitzungserscheinungen. Langfristig bleiben Aktien jedoch attraktiv.

Wangen im Allgäu, 06. März 2019: Fast alle Anlageklassen lieferten 2018 Verluste. Aktien aufgrund der Konjunkturängste, Handels-Streit, Brexit, Diesel-Hype und weil v.a. in US-Technologie-Aktien Korrekturbedarf vorherrschte. Anleihen verloren aufgrund Zinsanstiegs-Sorgen in den USA. Emerging Markets litten unter dem starken US-Dollar, der für Kapitalabflüsse aus diesen Ländern verantwortlich war. Alles in allem ein sehr schlechtes Anlagejahr. Wir beschrieben dies in unserem Marktkommentar zum Jahresanfang.

Genauso beschrieben wir jedoch, dass die Grundlage für einen weltweiten Wirtschaftseinbruch fehlt, vor allem die Stimmung schlecht ist und die Bewegungen an den Aktienmärkten zum Jahresende eine negative Übertreibung darstellen. In den USA gab es sogar einen Crash am Heiligabend! Insgesamt war es der schlechteste Dezember seit 1931 an den US-Börsen. Hierzulande führten die endlosen und grundlosen Dieseldiskussionen zu einem überzogenen Absturz nicht nur der Automobilwerte, sondern von allen Aktien, die mit Maschinenbau, Chemie und sonstigen konjunkturzyklischen Themen zu tun haben. Kursverluste in einzelnen Aktien zw. 40 und 60% waren keine Seltenheit, obwohl kein Geschäftseinbruch zu vermelden war – Ursache war nur die Angst!

Das Pendel schlägt zurück

Wir mahnten weniger Emotionen und eine objektive Sicht an und prognostizierten ein positives Aktienjahr. Dass das Pendel allerdings so schnell zurückschlägt, hätten wir nicht gedacht (siehe Grafik nächste Seite). Es war jedoch relativ leicht zu erkennen, dass es drehen sollte:

 

  • Kursverluste zum Jahresende waren v.a. der Bereinigung von Verlustpositionen institutioneller Anleger vor dem Bilanzstichtag geschuldet. Diese Verkäufe hatten keine reale Grundlage.
  • Deutschen Aktien so niedrig bewertet, wie selten in den letzten 30 Jahren.
  • Politische Themen werden an Kraft verlieren (Lösungen oder Verschiebungen), da niemand (in Worten: NIEMAND) einen Handelskrieg oder einen harten Brexit will bzw. verantworten kann!
  • Die Notenbanken werden bei der kleinsten Konjunkturkrise auf expansiv schalten (Geld drucken), da die Verschuldungssituation in aller Welt so immens groß ist, dass weder steigende Zinsen noch ein Wirtschaftseinbruch (Kreditausfälle bei Banken, weniger Steuereinnahmen, Arbeitslose…) politisch verkraftet werden kann. In dieser Thematik war es uns im Übrigen schleierhaft, wie die US-Notenbank am 19.12.18 nochmals die Zinsen erhöhen konnte, obwohl die Aktienmärkte bereits im freien Fall waren. Sie goss somit unnötig Öl ins Feuer, nur um drei Wochen später zurückzurudern und den automatischen Zinsanstiegs-Zyklus zu beerdigen.
  • Die chinesische Notenbank schwenkte bereits auf eine expansive Politik um, was ein Kursfeuerwerk an den Börsen auslöst.
  • Ökonomisch hoffnungsvolle Politiker drängen in Südamerika an die Macht, was zu wahren Freudensprüngen in den dortigen Märkten führte.

Viele weitere Gründe wären zu nennen, doch es reicht das Fazit, das wir Anfang Januar zogen: Die Stimmung ist viel schlechter als die Lage und die Anleger sind unterinvestiert. Das sind die Treiber der aktuellen Rallye, die mittlerweile rund 11% Gewinn in den Indices gebracht hat.

Viele haben den Anstieg jedoch verpasst

Doch trotz der positiven Entwicklung in diesem Jahr haben viele die Rallye verpasst, denn es ging zu schnell. Nach irrationalen und ängstlichen Verkäufen zum Jahresende, hat man sich gerade so schön darauf eingestellt, dass alles schlecht sei in der Welt und der Weltuntergang unmittelbar bevorstünde (Satire). Doch es kommt anders: Unternehmen melden zwar vorsichtige aber gute Zahlen, die US-Notenbank beendet den Zinsanhebungszyklus und zu allem Überfluss sieht plötzlich der letzte Blinde, dass es dieses Jahr Lösungen im Handelsstreit geben könnte (was sonst, könnte man diese Leute fragen!?). Bereits nach der ersten Woche – als die meisten institutionellen Anleger noch im Urlaub von tieferen Kursen träumten – sind die Indices vom Tief aus bereits zw. 5 und 8% davongeeilt. „Nicht nervös machen lassen, die kommen schon wieder zurück, es ist ja alles schlecht“ – lautete die Devise. Mitte Januar waren im US-Leitindex bereits 12% Erholung vom Tief zu verzeichnen. Der Druck auf die Nicht-Investierten wird größer. Die ersten fallen um und müssen kaufen, um nicht Abseits zu stehen. Dieser Kaufdruck befördert die Kurse weiter nach oben. Begleitet wird das ganze von guten Unternehmenszahlen.

Die Wirtschaftsdaten für Dezember sind schlecht und bestätigen die Ängstlichen

Während die Unternehmenszahlen gut sind, kommen die Konjunkturdaten für Dezember sehr schlecht herein. Einzelhandelsumsätze in Amerika regelrecht eingebrochen, Industrieaufträge eingebrochen, Exportzahlen aus China schwach usw. Dies ist natürlich Wasser auf die Mühlen derjenigen, die die Weltwirtschaft am Abgrund sehen. Es wird also weiterhin nicht gekauft.

Die Kurse laufen jedoch weiter! Ende Januar sind US-Aktien bereits 15% höher als am Tief Ende Dezember, Europa +10%, Emerging Markets +6%. Die Risiko-Seher können nicht verstehen, dass der Einbruch im Dezember lediglich Ängsten geschuldet war, die von der Finanzwirtschaft auf die Realwirtschaft übergesprungen sind. Natürlich werden auch Unternehmer und Konsumenten irgendwann vorsichtiger und stellen Investitionen und Konsum zurück, wenn die Unsicherheit zunimmt, das Aktiendepot gerade 20% verloren hat und die Politiker sich wie wildgewordenes Vieh aufführen. Die Wirtschaft hat im Dezember ob der (selbstgemachten) Unsicherheit abgebremst. Da die Ursachen jedoch exogener Natur (von außen – politisch) und nicht endogener Natur (aus der Wirtschaft heraus) waren, hatten wir das erwartet und als temporären Effekt interpretiert und kommentiert.

Die Hausse nährt die Hausse

Doch es geht weiter wie in einem Fortsetzungs-Roman. Zu viele sind nicht investiert und schauen den steigenden Kursen hinterher – unerträglich! Und die Unternehmen melden weiter überraschend gute Zahlen und 23 von 30 DAX-Unternehmen erhöhen sogar die Dividende! Selbst die „gefühlt“ kurz vor der Pleite stehenden deutschen Automobilhersteller stehen überraschend stark da. Beispiel Volkswagen (Jahre 2017, 2018, 2019): Umsätze: 230 Mrd., 241 Mrd. 248 Mrd.; Gewinn: 11,3 Mrd., 12,5 Mrd., 14,7 Mrd.. Aha, so sieht es also aus, wenn die die deutsche Automobilindustrie kaputtgeredet wird. Weitere Beispiele und Kommentierungen der Zahlen aus der 2. Reihe (M-DAX) weil´s so schön ist: Dürr AG (Umsatzrekord im Schlussquartal), Gerresheimer AG (erreicht eigene Ziele und erhöht Dividende), MTU (wächst und will weiter zulegen), Kion AG (will nach starkem Jahr weiter wachsen), Rheinmetall AG (Rekord-Auftragsbestand, höchste Marge seit Jahren), Sixt SE (zieht mit neuer Digitalisierungs-Strategie davon) usw. usf.

Viele halten es nicht mehr aus und kaufen in die erhöhten Kurse hinein, was dazu führt, dass diese weiter steigen – die Hausse nährt die Hausse. Ende Februar stehen die Indices nun schon zw. 11 und 18% über dem Jahresende-Tief. Nun stechen plötzlich die China-Börsen hervor (mittlerweile einer der größten Börsenplätze der Welt). Plus 20% in diesem Jahr – und wer ist dabei? China macht eine konjunkturfreundliche Politik, senkt Steuern und Zinsen, auch um besser ggü. den USA gewappnet zu sein.

Während sich die Nicht-Investierten noch durch einen schwachen Ifo-Geschäftsklima-Index bestätigt fühlen, wächst der europäische Nutzfahrzeugmarkt im Januar auf Rekord-Niveau und der deutsche Automarkt legt im Februar 3% zu. Die letzten Käufer wollen „sicher“ kaufen und warten auf positive Konjunkturdaten. Wenn diese jedoch kommen (positiver Ifo-Index), könnte es zu spät sein, denn Aktienmärkte nehmen Entwicklungen immer vorweg.

Vorsicht vor zu viel Euphorie

Vorsicht ist also mittlerweile angebracht. Denn trotz weiter optimistischer Grundhaltung zur Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr und weiterem Erholungspotential, v.a. der deutschen, europäischen, japanischen Börsen und den Schwellenländern im Allgemeinen, sind die Aktienkurse kurzfristig etwas zu stark gelaufen und erscheinen überhitzt. Man sollte auf keinen Fall stark gestiegenen Kursen hinterherlaufen!

Auch wenn man es aktuell kaum glauben kann, es wird Korrekturen geben, die man für vernünftige Einstiege nutzen kann. Spätestens wenn der letzte Weltuntergangs-Prophet gekauft hat und diejenigen, die mutig in der Stress-Phase über den Jahreswechsel zugegriffen haben, Gewinne mitnehmen, wird es soweit sein. Auch charttechnisch laufen die großen Indices an wichtige Widerstände heran (DAX 200 Tage-Linie, US-Börsen Allzeithochs), von wo aus Korrekturen zu erwarten sind.

Wir werden darüber berichten und sehen vernünftige Korrekturen in günstig bewerteten Märkten, wie schon im Herbst letzten Jahres, als attraktive Gelegenheit strategische (langfristige!) Bestände aufzubauen. Denn bei Null-und-Negativ-Zinsen (die werden wir noch lange haben) führt an der Aktienanlage kein Weg vorbei. Dividenden-Renditen von 4% in Top-Unternehmen kann sich kein vernünftiger Anleger entgehen lassen. Schwankungen gehören wie immer dazu.