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Handelskrieg als Bumerang

02.10.2019


Bisher haben die Unsicherheiten aus der Handelskrieg-Thematik lediglich Export- und Handelsnationen wie Deutschland negativ tangiert. Nun kommt die Schwäche auch in den USA selbst an. Sollten sich nun auch noch die Arbeitsmärkte verschlechtern, würde dies die Politik wachrütteln. Da die Zinsanlage als Investment ausfällt sind Aktien - relativ betrachtet - so attraktiv wie nie zuvor.

Wangen im Allgäu, 2. Oktober 2019: Schon seit Frühjahr 2018 leidet die Welt unter der Unsicherheit des Handelskrieges, konkret zwischen USA und China, jedoch mit Auswirkungen auf alle Lieferketten in einer global vernetzten Welt. Primär leiden darunter natürlich klassische Handels- und Exportnationen wie Deutschland, Japan und Süd-Korea. Doch auch alle anderen Länder sind irgendwie involviert, zum Beispiel indem man Rohstoffe liefert, die man zunächst aus Angst vor einer Rezession nicht mehr kauft (Russland, Kanada, Australien, Südamerika, Teile Afrikas, usw.). Aber auch klassische Import-Länder wie die USA selbst leiden irgendwann unter den durch Zölle künstlich verteuerten Waren und einer dadurch ansteigenden Inflation.

Ganz generell halten sich – je länger ein Unsicherheitszustand andauert – Unternehmen und Verbraucher zunehmend mit Investitions- und Konsumentscheidungen zurück. Allein dieser Umstand führt zu Abkühlungseffekten in der Wirtschaft.

Handelskrieg kommt als Bumerang zurück

Bis vor kurzem schienen die USA selbst ein Hort der Unangreifbarkeit zu sein, in dem die Wirtschaft weiter relativ stark wächst, Arbeitsplätze geschaffen werden und Gewinne sprudeln, obwohl im Rest der Welt das Wachstum nachlässt. Dies ändert sich allmählich. Während die Anleihen bereits kräftig gestiegen sind und die Zinsen fallen, die Finanzmärkte also schon einiges an Abkühlung vorwegnahmen, kommt die Unsicherheit nun auch in der Realwirtschaft an.

Zunächst natürlich ist die Stimmung in den auf Handel angewiesenen Branchen des verarbeitenden Gewerbes schlecht und erreichte gestern ein Mehrjahrestief. In früheren Zeiten folgte solchen Stimmungstiefs mit einem Zeitverzug von 6-12 Monaten eine Rezession. Dies glauben wir nach wir vor nicht, doch belastend auf die Märkte wirkt so ein Datum dennoch.

Zunächst ist noch nicht alles verloren. Warum? Die Auslöser dieser Verunsicherung und Schwäche in der Welt der klassischen Wirtschaft ist die Politik und nicht etwa inhärente Ursachen aus den Branchen selbst heraus, wie etwa Überschuldung, Überkapazitäten, extrem hohe Kostenbelastung etc. Wir haben darüber bereits häufig geschrieben. Politische Ursachen können auch schnell „politisch“ behoben werden, man muss halt nur wollen! Wenn der Druck aus der Wirtschaft und der Bevölkerung groß genug wird, dann sind die Hürden, politische Belastungsfaktoren abzubauen plötzlich viel geringer. Wir sind überzeugt, dass es zwar zunächst noch schlimmer wird, da man einen globalen Wirtschaftszug nicht einfach drehen kann, aber dann besser.

 

Arbeitsmärkte könnten der Knackpunkt sein

Dass die Stimmung in den Unternehmen der Politik oft egal ist, haben sie hinreichend bewiesen, vor allem hierzulande, wo man ja den Eindruck gewinnen könnte, dass es geradezu das Ziel der Politik ist, möglichst viele Branchen durch Regulierung, Bürokratie, Steuern & Abgaben zu belasten bzw. die wirtschaftliche Tätigkeit hierzulande gar nicht mehr möglich zu machen. Die Beispiele für eine Vertreibung ganzer Branchen ist lang: Atomindustrie & Atomforschung, Pharma- und Biotechnologie mit Genforschung, Rüstungsgüter, energieintensive Branchen (Stichwort: höchste Strompreise der Welt), Autoindustrie und Zulieferer etc.

 

Doch wenn wirtschaftliche Schwäche plötzlich im Arbeitsmarkt ankommt, wachen alle auf! Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Arbeitslosenquoten in diversen Regionen dieser Welt:

Seit der Finanzkrise 2010 fallen diese mehr oder weniger stetig, selbst in Italien. Sollten hier erste Umkehr-Signale sichtbar werden, rückt das Wirtschaftsthema in der Politik-Agenda plötzlich weit nach oben. Interessant ist dies deshalb, da am kommenden Freitag die US-Arbeitsmarktdaten anstehen. Wir sind gespannt, ob dort bereits Bremsspuren zu sehen sind. Falls dies der Fall sein sollte, erwarten wir eine positive Handelskrieg-Rhetorik von Hr. Trump.

Aktien sind auch in wirtschaftlich schwacher Zeit alternativlos

Normalerweise sind Aktien nicht erste Wahl, wenn sich die Aussichten für die Wirtschaft eintrüben und das auch noch global. Doch diesmal könnte dies anders sein. Denn es herrscht Anlagenotstand!

In den letzten Marktkommentaren haben wir bereits die extreme Zinslandschaft beschrieben, in der wir uns befinden - mit Rekord-Negativ-Zinsen in ganz Europa. Das bedeutet, man muss bei Zinsanlagen lange suchen und erhebliche Risiken eingehen (z.B. Währungs- oder Bonitätsrisiken), damit man überhaupt noch positive Zinsen findet. Während also die Zinsanlage weitestgehend ausfällt, bleibt für den Kapitalanleger eigentlich nur noch eine liquide Anlageklasse: Aktien.

 

Fazit

 

Trotz Unsicherheit und daraus folgender Schwankungen bleibt die Aktienanlage gerade jetzt eine aussichtsreiche Anlageform. Noch nie war der zu erwartenden Renditeaufschlag, den Aktien ggü. Anleihen bieten, so hoch wie jetzt. Natürlich, Schwankungen gehören zur Aktienanlage dazu, sind jedoch meist langfristig zu vernachlässigen, wenn man ein paar Grundregeln beherzigt.

Für Aktien-Erstanleger ist es deshalb immer hilfreich, sich Beratung bei einem erfahrenden Anlageberater zu holen oder sich an einen Vermögensverwalter zu wenden. Dies ist keine Eigenwerbung, sondern ein wertvoller Hinweis.